Amerika, ich komme!

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Diese Woche hat Europa wieder klar gemacht, dass es in Sachen Internet und Freiheit ein schizophrenes Verhältnis pflegt.

Der europäische Gerichtshof gab der Klage eines Spaniers statt, der von Google forderte, ein Suchergebnis bezogen auf die Suche nach seinem Namen zu löschen.

Unabhängig davon, wie die persönlichen Umstände für den Spanier aussehen, hat das Urteil eine grundsätzliche Bedeutung. In Zukunft kann jeder, der sich und die Darstellung des eigenen Ichs im Internet durch Suchergebnisse von Google beeinträchtigt fühlt, eine Löschung davon fordern. Die Umstände, die erfüllt sein müssen, dass ein Ergebnis gelöscht wird sind bei weitem nicht klar dargestellt, sondern weit gefasst.

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Wir sind das Volk

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Wie die Medien die Kommentarlandschaft der sozialen Netzwerke für sich entdecken

An Ostern feiern wir Christen die Auferstehung Jesu und somit den Sieg des Lebens über den Tod: Wir dürfen hoffen. – Jedes Jahr finden dabei auch sogenannte „Ostermärsche“ statt. Ursprünglich waren das Protestkundgebungen von DDR-Oppositionellen, die gegen das ihnen und vielen Menschen in der DDR widerfahrene Unrecht demonstrierten.

Nachdem die DDR 1989/90 ihr wohlverdientes Ende fand, protestierte man dennoch weiter, vorwiegend für Frieden in der Welt. Deshalb werden diese Demonstrationen auch „Friedensmärsche“ genannt werden. Man könnte sagen: Nicht besonders spannend, die Angelegenheit, nach 1990. Weiterlesen

Augenblick, verweile!

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Sonntag, die Sonne scheint, die Solarkollektoren brummen und man kann ganz ohne Sorgen und Bedenken die freie Zeit genießen – genau der richtige Zeitpunkt für einen Blogartikel!

Erinnern Sie sich noch, letzte Woche Sonntag? Und der Sonntag zwei Wochen davor? Da war was, eine sogenannte Wahl. – Grämen Sie sich nicht, mit oder ohne Ihre Stimme geht alles den gewohnten Weg. Ein paar Geister echauffieren sich über den Zeitgeist, die Verweigerung Wählen zu gehen, ein paar andere freuen sich noch über ihren prozentualen Stimmenzuwachs. Aber auch die Verlierer erfreuen sich an ihrem Sieg.

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Kein Schwein kreuzt mich an, keine Sau interessiert sich für mich.

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Max Raabe singt es mit wunderbar ironisch, distanzierter Stimme: Die Kommunalwahl in Unterschleißheim hat so wenig Menschen wie lange nicht interessiert. 41 % Wahlbeteiligung ist ein Tiefstand, das wird nur noch von der Wahlbeteiligung von Bürgerbegehren der letzten Jahre getoppt. Weiterlesen

Danke

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Liebe Unterschleißheimer, – der auswärtige Leser kann’s lesen, ist aber nicht betroffen –

Der Exot unter den Briefkästen

Danke dafür, dass ich in den letzten Wochen, Monaten und Jahren durch Ihren Vorgarten rumpeln durfte, um „Unterschleißheimer“, Stifte, Gummibärchen, Wahlprospekte, Landkreisanzeiger oder aber auch Nachbarschaftsbriefe einzuwerfen.

Lassen Sie mich noch eine Bemerkung zu Briefkästen tätigen: Weiterlesen

Mein Bekenntnis

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Vieles ändert sich nie – einiges ändert sich doch.

Und sie dreht sich doch.

Wer vorletzte Woche den Lohhofer Anzeiger gelesen hat oder aber mal auf der JU Unterschleißheim Seite vorbeigeschaut hat, hat ein überraschendes Postulat lesen dürfen. Dort wird ein 7-Punkte-Plan der Stadtratskandidaten – wovon ich einer bin – der JU veröffentlicht, der in etwa folgendes fordert:

Unterschleißheim muss gentechnikfrei sein! Der Bienenschutz muss vorangetrieben werden, es muss der Natur mithilfe von Streuobstwiesen mehr Platz eingeräumt werden. Jungen Bürgern soll mit Erreichen ihrer Volljährigkeit ein Bürgerbrief verliehen werden, der sie an ihre Verantwortung und Pflichten erinnert und besser in die Stadt integriert.

Nun war ich gemeinhin nicht als flammender Unterstützer der Anti-Gentechnik-Bewegung bekannt. Streuobstwiesen waren für mich mehr ein Konzept eines sanften Traums, in dem ich von Hasen und Pferden begleitet über endlose Wiesen streifte, von einem regenbogenfarbenen Himmel behütet.

Der Bürgerbrief – so ahnt man fast schon – ist für mich bloß ein weiteres Stück Papier, das nichts an der eigentlichen Situation ändert, aber doch ganz hübsch anzusehen ist. Von der Bedeutung her eher Altpapier, versucht es doch so etwas wie ein Gefühl der Einigkeit im Ort, man könnte fast sagen Nationalismus, zu erzeugen: Wir Unterschleißheimer mit Bürgerbrief müssen doch zusammenhalten!

Ich habe nichts gegen Nationalismus. Die Aufkleber mit dem Spruch „Nationalismus? – Nein Danke!“, die zur WM/EM an manchem Auto oder eher Fahrrad kleben, sind für mich eher ein Zeichen von dem tiefen Bedürfnis, nicht bloß auf der richtigen Seite zu stehen, sondern dies auch noch deutlich und für alle sichtbar kundzutun. Jeder nach seiner Façon.

Die Idee, eine Art des Verantwortungsgefühls in junge Menschen zu pflanzen, indem man ihnen ein Stück wertloses Papier (man könnte fast sagen: Altpapier) überreicht, halte ich für strittig.

Aber es ist eben im Geiste der Zeit, sich mit Idealen und höheren Ideen zu beschäftigen. Streuobstwiesen, Bienenschutz, die Bekämpfung der Gentechnik in einer Stadt, die vielleicht noch eine Handvoll Bauern hat, die aktiv Landwirtschaft betreiben, sind mehr symbolische Taten. Sie dienen dem großen Ganzen, dem höheren Zweck. Ich will sagen: Die Romantik hat wieder Einzug gehalten.

Doch diesmal hat man sich der romantischen Ironie entbunden, ihr entsagt. Hinter all diesen Konzepten steht bloß mehr der Wunsch, möglichst viele Menschen in den Kreis derjenigen aufzunehmen, die als Wähler in Frage kommen. Auch wenn ich gegen Gentechnik, für Bienenschutz und Streuobstwiesen anstatt Gewerbegebieten bin, kann ich CSU wählen.

Das ist in Ordnung, man muss sich dessen nur klar sein, denn es bietet auch Gefahr.
Die Gentechnik ist in der Medizin so gut wie völlig „sozialisiert“, wir lassen ja schließlich schon unseren Nachwuchs, bevor wir ihn überhaupt als „komplett“ und „wahrhaftig“ betrachten, auf mögliche Defekte genetisch analysieren.

Es wird sich herausstellen, was als größerer Eingriff in die Schöpfung zu werten ist: Ein paar Pflanzen gegen Schädlinge immun zu machen und den Ertrag der Ernte zu steigern, oder ein „korrektes“ Kind zur Welt zu bringen. Die Rede der Schriftstellerin Sybille Lewitscharoff hat die Brüchigkeit des Denkens in dieser Hinsicht offenbart.

Bei allem, was die Kommunalpolitik derzeit an Hokuspokus verehrt und sich an ihrer neuentdeckten Politik der Emotionen erfreut und meint, endlich die „Ängste“ der Bürger wieder ernst zu nehmen, sollte man denjenigen, um den es geht, nicht zu sehr unterschätzen.

Abseits von Infoständen und politischen Veranstaltungen gibt es eine Welt. Man sollte sie ernst nehmen. – Denn: die Bedeutung der Infostände ist in etwa so hoch, wie die Bedeutung eines 7-Punkte-Plans, der mich als gentechnikaffin und den letzten Indianer der Streuobstwiesen darstellt.

Eine neue Sorgenfreiheit – Teil 3

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„Hauptsache mir geht’s gut!“

Betrachtet man die humanitären Katastrophen der Gegenwart, offenbart sich Erschreckendes: Syrien, Teile Afrikas oder Nordkorea. Stets zeigt man sich erschreckt, fordert und fordert, beschließt Resolutionen – und scheitert an sich selbst. – In keinem Land wären Maßnahmen, die das Leid schon zu einem Zeitpunkt eingedämmt hätten, zu dem es noch möglich war, populär oder von der Bevölkerung gedeckt gewesen. (Und nein, ich fordere keine Intervention in Syrien – zu dem jetzigen Zeitpunkt ist die Lage hoffnungslos.) Jetzt, wo man in Mali eingreift und wohl einen Bürgerkrieg mit Tausenden Opfern verhindert, beteiligt sich Deutschland zwar – aber nur zögerlich und keinesfalls engagiert. Weiterlesen

Eine neue Sorgenfreiheit – Teil 2

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Rüstungsexporte

Nie, nie, nie, nie wieder Krieg!

Rüstungsexporte sind kriegsfördernd und müssen deshalb verboten werden. – So könnte man die Kritik zusammenfassen. Schon lange gibt es Aktionsbündnisse von Künstlern, Politikern, Müttern, Vätern, Veteranen und vielen anderen gegen Rüstungsexporte.

Natürlich, ein totalitäres Regime sollte möglichst nicht mit Massenvernichtungswaffen und sonstigem Kriegsgerät ausgestattet werden, das uns selbst bedroht. Das versteht sich von selbst. – Gegen den Export in gemäßigte Länder ist jedoch nichts einzuwenden. Weiterlesen

Eine neue Sorgenfreiheit – Teil 1

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Dieser Artikel erscheint nach und nach. Einige Tage lang erhalten Sie hier ein wenig mehr Einblick in die Ausführungen des Autors, zudem Beispiele und weiterführende Links. (Zum Prolog.)

Das deutsche Gewissen sehnt sich nach Entlastung. – Die Energiewende.

Moral war früher ein Kompass. Ein richtungsweisendes Instrument, das im Spiel mit der Vernunft den Menschen geprägt hat. – Inzwischen beobachte ich jedoch einen enormen Anstieg der Betonung und Gewichtung der Moral. Weiterlesen

Eine neue Sorgenfreiheit – Prolog

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Prolog

Dieser Artikel erscheint nach und nach. Einige Tage lang erhalten Sie hier ein wenig mehr Einblick in die Ausführungen des Autors, zudem Beispiele und weiterführende Links.

Der Auslöser zu diesem Artikel ist der Post eines M.Sc. Studenten der Genderwissenschaften an der LMU:

Impliziert das Wort „Muttersprache“ eigentlich eine geschlechtliche Aufgabenteilung a la „Kinderbetreuung ist Sache der Mutter“ weswegen das Kind auch ihre Sprache nennt. Und noch schlimmer: impliziert „Vaterland“ eigentlich, dass nur die Väter Land besitzen bzw. über das Land herrschen? Sorry falls ich euch den sorgenfreien Umgang mit den beiden Wörtern gerade für immer vermasselt habe…

(Hervorhebungen durch mich.)

Angesichts dieser großen, wichtigen Probleme erscheint es plausibel, warum es niemand interessiert, was in Syrien vor sich geht und warum es die systematische Folter von mehreren Tausend Menschen braucht, um das Thema annähernd wieder interessant zu machen.

Ich möchte in den kommenden Tagen auf Themen eingehen, wie Rüstungsexporte und das neue „grüne“ Gewissen. Alles Themen, in denen die „Moral“ inzwischen die Rationalität beherrscht.

Zum Weiterlesen: http://www.tagesspiegel.de/meinung/folter-in-syrien-und-nun-weiter-im-pogrom/9364604.html